Pilotprojekt B 31, Immenstaad – Friedrichshafen/Waggershausen

BIM B 31


Der Neubau des rund 7 km langen Abschnittes der B 31 westlich von Friedrichshafen führt durch das hügelige Gelände des Bodenseeufers bis nach Immenstaad und fügt sich damit in die großräumige Verkehrsführung des Fernverkehrs am nördlichen Bodenseeufer zwischen Lindau im Osten und der A 98 im Westen ein. Zu errichten sind unter anderem drei Ingenieurbauwerke, deren Vorentwurfs- und Entwurfsplanungen ursprünglich nach klassischen Planungsmethoden ausgeschrieben wurden. Auf Vorschlag eines BIM-erfahrenen Ingenieur­büros aus Stuttgart, welches den Auftrag erhielt, erfolgt die Planung jedoch komplett nach der BIM-Methode.

Teil des Planungsvorhabens war die komplette Erarbeitung der Vorentwurfs- und Entwurfsplanung nach dem Regelwerk für Ingenieurbauwerke (RAB-ING). Die ersten Konstruktionsideen des Streckenplaners wurden in ein 3D-Modell eingearbeitet und weiter optimiert. Die Eingabe von Bauteileigenschaften vervollständigte die BIM-Anwendung. Die nach den Regelwerken für den Prüf- und Genehmigungsprozess in den Verkehrsministerien des Landes und Bundes erforderlichen Pläne wurden aus dem Modell abgeleitet und mit einer CAD-Software in Teilen vervollständigt. Hier zeigte sich, dass einerseits die verfügbare Software noch nicht alle Darstellungsdetails direkt aus dem Modell ableiten kann und andererseits die Zeichnungsvorschriften der Regelwerke eine automatische Planableitung erschweren, da sie eine Mischung aus Schnitt, Abwicklung und Ansicht erfordern.

DEGES als Auftraggeber hatte über ein Internetportal jederzeit die Möglichkeit, das Modell ohne zusätzliche Installation von Software zu prüfen. Kommentierungen konnten per Mail ausgetauscht werden.

Die Visualisierung der Planung erfolgte sowohl mittels Modell inklusive Oberflächentextur und gerenderten Videosequenzen als auch anhand einer Vir­tual-Reality-Umgebung, die das „Begehen“ mittels einer VR-Brille ermöglicht.

Das Modell soll für die Ermittlung der Hauptmassen genutzt werden und damit einen Beitrag für die Erstellung der Vergabeunterlage der Bauleistungen bilden. Das durch DEGES bestätigte BIM-Modell wird den Bauauftragnehmern während der Kalkulationsphase ohne rechtliche Verbindlichkeit informationshalber zur Verfügung gestellt.

In der Bauphase des BIM-Modells werden außerdem vorab erstellte Auftraggeber-Informations­anforderungen (AIA) eingebracht. Hierbei kann das Modell auch genutzt werden, um beim Auftragnehmer die erforderliche Ausführungsplanung und Arbeitsvorbereitung durchzuführen.

Ziel der Pilotierung ist die Überführung eines Planungsmodells über die Kalkulationsphase in die Bauphase bis hin zu einem Bestandsmodell. Dieser BIM-Prozess wird dabei ab der Vergabephase in einem Parallelprozess zur klassischen Vorgehensweise geführt, um das Projekt nicht negativ zu beeinträchtigen und wertvolle Erfahrungen zur Anwendung von BIM in Angebotsphase, Bauausführung und als Bestandsunterlage zu sammeln. Es ist geplant, das Bestandsmodell auch dem Straßenbaulastträger zum späteren Betrieb zur Verfügung zu stellen und damit einen Beitrag zur durchgängigen Datennutzung zu leisten.

Parallel konnte gezeigt werden, dass die Visualisierung der Planung mittels Modell und VR-Umgebung einen wesentlichen Beitrag bei der Projektkommunikation gegenüber Betroffenen und der interessierten Öffentlichkeit bieten kann.

Projektdetails

  • Neubau der B 31 von Immenstaad bis Friedrichshafen/Waggershausen
  • Errichtung einer 112 m langen ­Grundwasserwanne zur Überführung der B 31 über einen Wirtschaftsweg
  • Errichtung eines Brückenbauwerkes im Zuge der B 31 über Gewässer, Stützweite ca. 15 m
  • Errichtung einer 13 m langen Wirt­schaftswege­brücke über Gewässer
  • Optimierung der Planung in puncto Hochwasserschutz und Eingriff in bestehende Planungen und die Umwelt
  • Gesamtkosten des B 31-Abschnittes: rund 143,3 Mio. Euro (Bau, brutto)
  • Gesamtkosten der mittels BIM zu planenden Bauwerke: rund 5 Mio. Euro

Anwendung von BIM

  • Einsatz von BIM im Zuge der ­Vorentwurfsplanung (Lph 2 HOAI)
  • Einsatz von BIM im Zuge der ­Entwurfsplanung (Lph 3 HOAI)
  • Integration einer Fachplanung
  • Modellierung des Bauwerkes und der Verkehrsanlage
  • Mengen- und Kostenberechnung
  • Visualisierung
  • Erstellung einer Virtual-Reality-Umgebung des entstandenen BIM-Modells
  • potenzieller Einsatz von BIM im Zuge der Ausführungsplanung (Lph 5 HOAI)
  • Erstellung eines BIM-Bestandsmodells für den Betrieb